EIN BILD TRAGEN WIE EIN ÜBERWEITES HEMD
Neben seiner schützenden und seiner schmückenden Funktion bildet ein Kleidungsstück einen konstruierten Raum in den man eintauchen kann. Aussehen ist dabei nicht einziges Kriterium, da Mode auch von innen operieren kann. Den Kopf buchstäblich durch ein gemaltes Bild stecken, es tragen wie ein überweites Hemd, Flecken auf dem T-Shirt zu Mustern werden lassen sind beispielsweise Unternehmungen an die ich denke. Versuche ins Größere umzuziehen, vom Schoß in die Welt, vom Konkreten ins Abstrakte.
Interessant an Mode und Kunst ist dabei die spezielle Fähigkeit der beiden Praktiken, soziale Beziehungen nicht nur abzubilden, sondern auch zu begründen. Als Malerin aber, die sich auf die Tradition des Verhältnisses zwischen Avant-garde und Folklore bezieht, knüpfe ich - wie Varvara Stepanova oder Anni Albers, Daan van Golden, Christopher Wool oder Alessandro Mendini - beim Textildesign an. In Stoffmustern ist die bildliche Abstraktion schon immer auf selbstverständliche Weise anwesend, lange bevor sie in der Kunst erfunden wird. Textildesignern ist bewusst, dass Abstraktion von Natur aus unmittelbar dekorativ wirkt. Fläche - wie Leinwand - und Schale - wie Kleid - werden durch die dessinartigen Motive als Assoziationsgründe aktiviert. Dort finde ich, was ich vermute die Essenz von Malerei zu sein, die Verstrickung der Welten innerhalb und außerhalb eines Bildes.
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2009
STAND FAST
Stand fast
Hold sure
If I can
Never behind
I shine not burn
Boldly
Constant and true
Without stain
I love
Wahlsprüche schottischer Clans, ursprünglich Identität bildende Zeichen, werden in der Produktion für BLACK PAGES zu offenen Repräsentationen. Tapferkeit, Aufrichtigkeit, Stärke, Mut, Disziplin, Vorsicht, Aufmerksamkeit, Treue, Eifer und Liebe sind hier Eigenschaften, die in ihrer sozialen Funktion auf den Fortbestand einer Gruppe und in der Folge auf die Erhaltung eines patriarchalen Systems ausgerichtet sind. Beim Lesen der Publikation tauchen gleichermaßen bestimmte Erinnerungen und vertraute Gefühle sowie ein sonderbarer Impuls zu eigenen Interpretationen auf. Die gestaltenden Eingriffe verhalten sich merkwürdig, fortschreibend und wertfrei.
Mottoes of Scottish Clans, originally identity forming signs, become open representations in the production for BLACK PAGES. Braveness, honesty, strength, courage, discipline, cautiousness, advertence, faithfulness, zeal und love are in this case qualities, oriented in their social function towards the continuity of a group. Reading the publication, particular memories and familiar sensations emerge likewise as a peculiar/curious impulse for own interpretations. The formative interventions behave oddly, updating and value-free.
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2008
CAMOUFLAGE
Mountbatten Pink
In Anlehnung an die lavendelgraufarbene Vorkriegsbootshaut entwirft Louis Mountbatten 1940 im Auftrag der Royal Navy ein Tarnpigment vom mittleren Grauwert 507B versetzt mit Venetian Red, einer Form von Eisenoxydrot. Auf offener See wechseln Licht und Wetter ständig; das Meer, der Himmel sind von uneinheitlicher Erscheinung. Weiters lässt sich beobachten, dass Unterseeboote bevorzugt in der Dämmerung torpedieren, dann wenn die Sonne unter dem Horizont steht und die Atmosphäre Rauschrot färbt. Mountbatten Pink taucht in diesem Licht erfolgreich unter, verhält sich hingegen zu Mittag auffällig neben dem konventionellen Battleship Grey.
Famouse Rosarot
1959 macht ein amerikanisches Uboot in der Blake Edwards Kriegskomödie Unternehmen Petticoat Karriere. Im Film wird bei einem japanischen Luftangriff die USS Balao SS-285 in der Rolle der USS Sea Tiger ernstlich getroffen. Im Zuge der Reparatur erhält das Unterseeboot einen improvisierten Schutzanstrich gemischt aus roten und weißen Farbresten. Noch bevor die graue Lackierung aufgetragen wird, muss die Sea Tiger in lächerlicher Montur auslaufen. Nach den Dreharbeiten, genauer 1963, versenkt die US-Marine die mittlerweile zum Trainingsboot klassifizierte rosa Balao als Ziel.
Wüstensandrosa
Desert Sand Pink ist eine blassrote Farbe, die sich ein wenig ins Gelbliche neigt, samtartig, geschmeidig wie errötende Puddingkrem. Der "Pink Panther", ein Wüstenpatrouillenfahrzeug des Special Air Service der Britischen Armee, ist mit einer verdichteten Version der Farbe überzogen. Beobachtet wird der Farbton während des Zweiten Weltkriegs an einem Flugzeugwrack, das für viele Monate in der Wüste verschwunden liegt. Wind und Wüstensand haben die Lackierung des Fliegers bis auf seine hellrosa Grundierung abgeschliffen. Übrig geblieben ist ein Fleischton, staubiges Babyrosa, puderartig weich blendete es sich in das öde Setting.
Leuchtorange
RAL 2005 ist die Komplementärfarbe zum Blau des Himmels. Ihr Signalcharakter kommt in der Warnweste zum Ausdruck. Auf Gesellschaftsjagden tragen die Teilnehmer so ein Orange, um sich für die anderen Schützen von Wald und Flur optisch abzuheben. Trotzdem verhalten sie sich immer noch erfolgreich getarnt, denn es ist bekannt, dass grüne Farbtöne vom Schalenwild vorrangig differenziert wahrgenommen werden. Für einen Damhirsch also fächert sich die Skala zwischen Olive Drab und Lodengrün in unvorstellbar viele Nuancen auf, wohingegen Knallgelb oder Leuchtorange für das Tier kaum wahrnehmbar wirken.
Pinques Rot
Fuchsjagdteilnehmer tragen Farben. Die traditionelle Bekleidung der Jäger und Jagdmitarbeiter besteht, neben den Springstiefeln, weißen Reithosen, aus kräftig roten Gehröcken, auch Pinks oder Pinques genannt. In vornehmem Scharlach zeichnet sich die Hatz vom Feld ab. Röcke und Meute, die ganze Rotte stürmt auf direkter Fährte dem Rotfuchs hinterher.
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2008
THE PANTS TENT PANTS
Schnürlsamt ist ein strapazierfähiges Gewebe aus Baumwolle mit einer dritten Dimension. Pelzige Streifen, beige wie Sand, laufen von den Füßen aufwärts zur Taille. Dazwischen schwingen sich die beiden Bügelfalten in einer Gegenbewegung lässig abwärts Richtung Boden. Dorthin wo sich die Stoffröhren, gebremst von zwei breiten Stulpen, in scheinbar unendliche Faltungen zusammengestaucht, zum Abschluss versammeln. Hände streifen unwillkürlich entlang der Hüfte in die seitlich eingearbeiteten Hosensäcke. Der Blick schweift auf den Schritt, wo sich der Stoff unklar aufbauscht.
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2007
Gustav Schörghofer, ÜBERZEUGEND HEITER
Constanze Schweiger nimmt in ihrer Malerei immer wieder Bezug auf Stoffmuster. Eine im vergangenen Jahr begonnene Serie von Bildern heißt "Polka Dots". Polka Dot ist in der englischen Sprache die für ein Punkte- oder Tupfenmuster auf Textilien übliche Bezeichnung. Der Name erinnert an einen in den 30er-Jahren des 19. Jahrhunderts entstandenen Tanz. Seit damals zählt die Polka gemeinsam mit dem Walzer zu den beliebtesten Gesellschaftstänzen. Das Punktemuster hat etwas von ihrem heiteren, beschwingten Charakter. In der Mode und dem Dekor der letzten fünfzig Jahre ist es immer wieder aufgetaucht. Die "Polka Dots" von Constanze Schweiger erinnern daher an etwas, das Betrachtern unterschiedlichen Alters aus der Kleidung des Alltags längst bekannt ist. Sie isolieren ein Element des Alltäglichen und schenken ihm etwas Monumentales. Das Muster wird nicht mehr für dekorative Zwecke verwendet. Es zeigt sich als etwas Eigenständiges.
Auf dem Foto hält Constanze Schweiger selber eines ihrer Bilder. Seine Größe und die Materialität des Bildes sind so besser zu erkennen. Zugleich wird anschaulich, dass diese Bilder eine Nähe zum Leben haben, eingebettet sind in eine Welt zwischenmenschlicher Beziehungen. Der exotisch klingende Name "Ciribiribin" erinnert an eine Swing-Komposition.
Die "Polka Dots" stehen in einer Tradition, die auf den Beginn des 19. Jahrhunderts zurückgeht. Seit damals gibt es Bilder, die nicht mehr selber einen Zusammenhang zeigen, sondern bloß den Ausschnitt einer größeren Welt. Der Ausschnitt wird so gewählt, dass ein bestimmtes Motiv die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht. So entstand das moderne Bild, das den Blick des Betrachters auf ein Detail der Wirklichkeit lenken will. Die Qualität der Bilder wird daran gemessen, wie gut es gelingt, Aufmerksamkeit zu finden. Der gezeigte Ausschnitt saugt den Blick an. In der Kunst sind viele Bilder dieser Art zu finden. Aber auch andere. In den vergangenen zwei Jahrhunderten sind auffallend viele sehr stille Bilder entstanden. Bilder, die gar nichts besonders Auffallendes zeigen. Bilder von Wolken, Bilder von unscheinbaren Gestalten, Bilder von Nebensächlichem, von Abfall oder wertlosem Zeug, Bilder, die gar nichts mehr zeigen außer einer einfarbigen Fläche.
Constanze Schweiger knüpft mit ihrer Malerei an diese Tradition an. Sie preist die Schönheit eines Musters, indem sie es der Verwendung entzieht. Sie beschränkt sich auf farbige Punkte vor einem einfarbigen oder regenbogenartig changierenden Grund. Der Zauber dieser Bilder liegt in ihrer Unbeschwertheit. Sie habe etwas ungebrochen Heiteres. Manche erinnern an Farbübergänge, die am Himmel zu beobachten sind. Dabei sind sie alle absolut künstlich. Die Farben und die Formen haben nichts in der Natur Entsprechendes. Aber mag diese Bildwelt auch durch und durch künstlich sein, sie ist so präzis, im Einfachen so reichhaltig und bei aller Gegenwart so verhalten, dass sie etwas sehr Überzeugendes besitzt.
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2006
ACUTE, OUTRIGHT AND ZEALOUS
For some time now I'm interested in a couple of cultural phenomenon revolving around, in short, fashion, art and social tie. Not only art like fashion may be discriminatory but both are also huge things to create communities.
As a painter, relating to the tradition of the relationship between the avant-garde and the vernacular (let's say from Varvara Stepanova and Anni Albers to Daan Van Golden or Helmut Federle) my interest in fashion relies on textile design. It first appeared with the "Friends" series (2001), where portraits of friends were coupled with abstract paintings mimicking the individual's stylistic-palette. The qualities of the patterns in the paintings (recalling dress shirting stripes or gingham checks) imply signs of personal distinction which are determined by the outcome of social interactions and personal engagements.
More, it embodies the claim for the belonging to a specific community (based on ethnic, social, cultural, class, etc. characteristics). Scottish clans as an extremely tight-knit group fiercely proud of its particular woven wool tartan know that one. Corporate executives too.
Earlier this year I found in New York a book on the fabric collection of Susan Meller (the founder of the Design Library in New York). Once again, one can look at it as what it is: a very good compendium on textile design covering the past two centuries in Europe and the USA. But once, if you look at it as an art history book, it becomes another good story.
In fabric patterns, abstraction has been around forever and is an entirely comfortable presence. The textile designer knows that abstraction is inherently, shamelessly decorative.
A quick look at the installation, one is instantly obviously confronted with the impressive scale of the work on display and a quiet office working situation.
I'm bringing in an abstract pattern. In textile design it would be named a gingham check. Gingham checks are all-time favorites. Their origin, like of every plaid, is in the threads of the loom, the warp set up lengthwise, the woof or weft filling it in horizontally. Only print designers building on the tradition of woven plaids can make patterns into fantasies that the loom cannot manage. Through the use of monumental color fades, I am not only breaking the loom's rule but the print designer's one too, dedicated to work with the repetition of the same motif.
However, blown-up, the gingham check becomes a scenery and looses the reference to its origin. It is maximized.
I intend the stripes, their crossings and the variations on the colors to emphasize a synergic world, a collective identity build up on the sum of its constitutive parties, strongly connected, subtly merging, overlapping and confronting in dialogue... In short, a dream firm.
The decorative elements of which the original pattern is comprised of, become an abstract representation with an inherent formalistic quality. Perhaps it will spark some sense of familiarity, some cultural memory that may not have to be articulated in order to be effective. Or perhaps it will work as a blank slate for an interpretation of the viewer's own. In either case it will work well.